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22.01.2008 08:17:00
Das zweite Gesicht
Manchmal lerne ich Frauen kenne, die, obwohl sie um die vierzig sind, wirklich toll aussehen. Der erste Blick macht ganz schön was her. Nun habe ich mit der Zeit gelernt, ein zweites Mal hinzuschauen. Bei diesem zweiten Blick entdecke ich den Menschen, ich sehe die Freuden und die Schmerzen, das Lachen und die Trauer, einfach alles, was diesen Menschen ausmacht. Es ist, als würde ich in einem Buch lesen.

Das gleiche Buch haben übrigens auch jüngere Frauen, nur ist es noch nicht so dick. Vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich ganz gerne mit jungen Frauen zusammen bin. Oft lerne ich, wie gesagt, Frauen um die vierzig kennen. Das Leben zeichnet sich nun mal im Gesicht ab und was gibt es leichteres, als hier mit etwas (viel) Schminke nachzuhelfen. Im Club ist das ja noch akzeptabel, doch wenn es dann zum Backstage geht, kommt die Schminke runter und dann sieht man ein ganz anderes Gesicht. Dieses Gesicht muss man auch mögen, ansonsten wird es nix mit der Lady. Oder nicht so viel.

Wäre interessant zu erfahren, wie ihr mit dem zweiten Gesicht umgeht? Macht es euch zu schaffen, einen Menschen erst beim zweiten Blick genauer kennen lernen zu dürfen oder seid ihr schon von Beginn an sicher, zufrieden und auf dem richtigen Weg?

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04.03.2009 03:12:06
quest
Moin Indy.

Ich hatte erst etwas anderes erwartet. Der Threadtitel erinnerte mich an diesem schaurig-bösen Film, in dem Super-Hobbit und Allein-Zu-Hause-Kevin mitspielten. *grinst* Nun, wie auch immer, interessanterweise habe ich erst gestern haargenau über dieses Thema nachgedacht. Was ist es, dass mir bei Menschen zuerst ins 'Auge springt? Welche körperlichen Merkmale bzw. welche Gesten, Mimik, welche Ausstrahlung ist es, die mich zuförderst fasziniert? Und es ist - wie wohl bei vielen anderen Leuten auch - das Gesicht des Gegenüber. Natürlich wandert der Blick dann auch zügig über andere (für mich) nicht unwichtige Körperteile (Brüste, Taille und - auch sehr entscheidend - der (hoffentlich) knackige Po). Aber den allerersten Sympathie oder Antipathie-Punkt hinterläßt man bei mir einfach aufgrund seines Gesichtszüge, der Mundform, dem Augenstand, den Nasenflügeln, den Wangenknochen, den Öhrchen und so weiter, und so fort. *zwinkert mit seinen burschikos-aufreizenden Augenlidern*

Was nun die 'Masken' angeht bzw. das zweite Gesicht, bin ich da eigentlich recht einfach gestrickt.

Wenn ein Mädel geschminkt ist, empfinde und denke ich vordergründig an Sex. *schulterzuck* Ob das 'ne frühkindliche Entwicklungssache ist, weiß ich nicht ... aber es ist einfach so. Sobald da ein Malermeister übers Antlitz gehuscht ist (meist gehen ja durchaus zur 'Zubereitung' dieser Farbenpracht eine/mehrere Stunde(n) drauf) , geht der vom Augapfel aufgenommene Eindruck direkt ohne große Abzweigungen in meine Hüftregion, wo sich alsbald (sofern das weibliche Zeichen-Kunstwerk gelungen ist) etwas regt.

Wenn eine Frau jedoch nicht (bzw. dezent) geschminkt ist, nehme ich sie anders wahr. Als richtige Person, als Gesprächspartner, als interessanten Menschen (aber immer noch feminin). Ich sehe sie dann nicht als reines Lustobjekt - wie in obigem Fall - sondern als (zwar durchaus sinnliche, aber irgendwie auch) eine Frau, die im Leben steht. Die mit sich im Reinen ist, selbstbewußt, mit eigenen Gedanken und (ganz bestimmt *grinst*) großer Lust, sich mit mir mal intensiv zu unterhalten.

Zurück zu deinem Thema: Eigentlich wolltest du ja wissen, wie man sich fühlt, wenn die Schminke runter ist. Nun ... ich muß ehrlich zugeben ... ich habe das eigentlich noch nicht so (gravierend) erlebt. Wenn sich eine Frau einen Eimer Farbe ins Gesicht kippt und man(n) mit Spachtel rangehen muß, um auf die ursprüngliche Hautpartie 'durchzustoßen', dann wird sie diese 'Schminke' immer und überall tragen (tragen=im Gespräch, im Denken, im Fühlen und Handeln). Und anders herum ist es genauso.

Nimm zum Beispiel meine Frau. Sie hat sich immer sehr, sehr (sehr, sehr, ...) dezent geschminkt. Etwas grüne Lidtusche, selten ein wenig Wangenrouge. (Übrigens hat genau dies damals den Ausschlag gegeben. Diese Natürlichkeit, die sie ausstrahlt!) Seit anderthalb Jahren jedenfalls trägt sie halblange Fingernägel, die sich monatlich im Nagelstudio machen läßt (früher waren die immer nur sehr kurz geschnitten, interessanterweise hat sie das erst machen lassen, nachdem sich mein Weltbild dank PU verbesserte, ich mich entsprechend artikulierte und ihr sagte, dass es mich im Bett antörnen würde). Wie auch immer, selbst diese 'gefertigten' Fingernägel sind nur halblang, nie rot/schwarz oder anders aufregend geschminkt (meist weiß oder ein helles Blau) - und genau das meine ich damit. Sie hat zwar dann über Weihnachten mich (unter anderem) mit blutrot lackierten überrascht, aber diese 'Ausnahmen' ändern nichts an ihrer grundlegende Art und Weise der Körpergestaltung.

Und so erlebe ich das mit vielen Mädels in meinem Umkreis. Sie sind privat nicht viel anders als in der Öffentlichkeit, im Club nicht viel anders als zu Hause. Das ist jedenfalls meine - zugegebenermaßen recht einfache - Sicht der Dinge.

Gruß,
Keo.

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